Das zweite Jahr cosmika. Eine ehrliche Bilanz (die auch weh tut).

Das zweite Jahr cosmika. Eine ehrliche Bilanz (die auch weh tut).

Ein Jahr. Drei Perspektiven.

Wenn man ein Unternehmen gründet, redet man meistens über Meilensteine, wachsende Verkaufszahlen und die nächsten großen Pläne. Was man selten auf LinkedIn oder in Gründer-Talks liest, ist die nackte Wahrheit dahinter. Die Wahrheit über schlaflose Nächte, veränderte Rollen und die Frage, wie viel ein Team eigentlich aushält.

Trotz toller Partnerschaften und neuer Produkte ist cosmika finanziell noch nicht tragfähig. Wir können uns bis heute alle drei kein Gehalt auszahlen, und stecken alles direkt wieder zurück ins Business für die Rechnungen. Wünsche sind eben keine Garantien. Und so haben wir uns dieses Jahr nicht nur einmal gefragt, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Die größte Zerreißprobe? Während Ingo und Roman über Monate auf Reisen waren, um sich neu zu entdecken, hat Luisa das Schiff im Alltag teilweise komplett alleine durch den Kosmos gesteuert.

Wie sich dieser Spagat zwischen Fernweh, Verantwortung und purer Erschöpfung angefühlt hat und wie wir es geschafft haben, dass unsere Freundschaft an diesem Sturm nicht zerbrochen, sondern gewachsen ist, erzählen wir euch in diesem Artikel ganz ungeschönt. Aus drei ganz persönlichen Perspektiven.

Roman: Ehrlich mit mir selbst sein. 

Nepal, Bhutan, Indien, Sri Lanka, Malediven. Als ich nach Asien aufgebrochen bin, hatte ich einen Plan, der nach allem klang, was schön ist: Musik schreiben, in Indien eintauchen, surfen, neue Erfahrungen sammeln. Und parallel cosmika weiter aufbauen. Ein Traum, den ich mir gemeinsam mit Luisa und Ingo gebaut habe, fortgesetzt von einem Hotelbett irgendwo zwischen Bergen und Meer.

Auf dem Papier ging das alles auf. In der Realität nicht.

Schon nach den ersten Wochen musste ich mir eingestehen, dass mein Setup nicht aufgeht. Ich wollte so oft wie möglich offline sein, und konnte es selten sein. Wer ein Business führt, kennt das: Ein Unternehmen frisst Bildschirmzeit. Das ist kein Jammern. Es ist eine Tatsache, über die man Bescheid wissen sollte, wenn man langfristig gründet.

Was schwerer war als die Stunden vor dem Laptop, war das Eingeständnis dahinter.

Ich habe gemerkt, dass das Unternehmer-Sein, jeden Tag, mit voller Verantwortung, nicht meine Lebensaufgabe ist. Nicht, weil ich Kakao weniger liebe. Im Gegenteil. Es gibt wenige Dinge, die mich so erfüllen, wie Menschen Kakao in den Alltag zu bringen und darüber zu erzählen. Aber das Was und das Wie sind zwei verschiedene Fragen. Und mein Wie sah anders aus, als ich es mir zu Beginn vorgestellt habe.

Das mit Luisa und Ingo zu teilen, war nicht einfach. Wir haben diese Vision gemeinsam gestartet. Mit »ich kann das so nicht weitermachen« kommst du in so ein Gespräch nicht entspannt rein. Aber genau dieses Gespräch hat den Raum geschaffen, in dem ich meine Rolle neu denken durfte. Ohne dass ich aussteigen muss. Denn Gemeinschaft und Verbundenheit waren es, die mich zu Kakao geführt haben. Diesen Teil möchte ich nicht aufgeben. Den Rest, die Vollzeit-Gründerrolle, durfte ich abgeben, weil Luisa und Ingo bereit waren, ihn weiterzutragen. Dafür bin ich ihnen unglaublich dankbar.

Ingo: Ich brauche Boden unter den Füßen.

Ich war selbst in den letzten Monaten viel unterwegs - Australien und Thailand. Und cosmika lief weiter.

Doch während der Reise habe ich auf harte Weise gemerkt, dass es gar nicht so einfach ist: Reisen, Arbeiten, schauen wo man schläft, neue Erfahrungen sammeln und dann noch ein Business mit über 10 Stunden Zeitverschiebung pushen?

Ich dachte erst, dass es kein Problem ist. Doch es war etwas, was ich nicht wahrhaben wollte: dass ich es nicht so hinkriege, wie ich es gerne würde. Das Schöne ist aber: Wir sind ein Team, und mehr als das, wir sind Freund*innen. Wir sind ehrlich zueinander und daher konnte mir das gespiegelt werden. Auch wenn ich manches, das gesagt wurde, erst verarbeiten musste und nicht wahrhaben wollte. Das war ein wichtiger Prozess für mich.

Durch diese Erfahrungen habe ich gemerkt, dass ich andere Gegebenheiten und einen strukturierten Tagesablauf in meinem Leben benötige, um vernünftig an meinen Projekten zu arbeiten. Die habe ich jetzt. Zurück in Deutschland und motiviert, unseren Kakao weiter in die Hände der Menschen zu bringen.

Mir ist auch immer klarer geworden, wo ich cosmika sehe und welche neuen Verbindungen wir schaffen können. cosmika und Kunst gehören für mich einfach zusammen - das haben wir bereits mit Kollaborationen gezeigt und das wird immer mehr ein Teil von dem, was wir mit unserer Brand kreieren möchte.

Luisa: Zwischen Vermissen und Learnings.

Als Ingo und Roman sich entschieden, auf Reisen zu gehen, um zu wachsen und Neues kennenzulernen, bin ich hier geblieben. Für mich war es einfach nicht an der Zeit zu gehen. Letztes Jahr sind also nicht nur beide meiner Businesspartner in den Flieger gestiegen, sondern auch zwei der wichtigsten Menschen in meinem Leben.

Der wenige Kontakt, der durch die Zeitzonen sickerte, hat viel mit mir gemacht. Plötzlich war da eine Stille, wo sonst viel Austausch war, und ich musste schmerzhaft lernen, dass ich Business und Freundschaft eben nicht immer trennen kann. Ich war traurig. Und habe vieles hinterfragt. Aber genau darin lag auch ein riesiges Learning für mich. Ich habe gemerkt, wie viel ich eigentlich auch alleine wuppen kann, denn fast alles hing zu dieser Zeit an mir. Und an dem Support meiner Mama, die mir trotz ihrer eigenen Baustellen unermüdlich unter die Arme gegriffen hat. Und trotzdem: Nach jeder Welle von Frust kam die Motivation zurück. Weil ich mir ein Leben ohne cosmika irgendwie gar nicht vorstellen konnte. Dieser Kosmos ist der Raum, in dem ich meine Kreativität ganz frei rauslassen kann. Vor allem aber ist es die Liebe zum Kakao selbst. Ich liebe es, diese Pflanze neben unserem Online-Shop auch in Form von Kakao-Zeremonien mit Menschen zu teilen, darüber zu sprechen und einen Raum für Begegnung damit zu öffnen. Das im letzten Jahr so oft machen zu dürfen, war für mich das Tollste überhaupt. Zu sehen, wie Kakao nicht nur mein Leben ein Stückchen besser macht, sondern anderen die Tür dafür öffnen und dieses Gefühl an sie weitergeben.

Neben meinem Angestellten-Teilzeitjob, der zu dieser Zeit ohnehin mehr als stressig lief, wöchentliche Yogaclasses, Workshops, Retreats und Designprojekten, habe ich am Ende des Tages alle cosmika-To-Dos noch drangehäng und mir dabei eingeredet: »Es ist nur eine zeitlich begrenzt Phase. I can do this.«

Bis zum Dezember. Da ging es dann doch nicht mehr und mein Körper hat die Reißleine gezogen. Ich habe Ingo und Roman ungeschönt klargemacht, dass hier gerade eine Wand kommt und es so für mich nicht weitergehen kann. Wie es stattdessen weitergehen sollte, wusste ich in dem Moment selbst nicht, aber ich habe gelernt, für mich und meine Grenzen einzustehen. Und vor allem auch geduldiger zu sein. Denn es muss nicht alles auf einmal passieren. 

Seit beide wieder zurück sind, haben wir viele intensive Gespräche geführt. Wir suchen und finden gerade unseren neuen Weg, definieren Rollen neu und schütteln den Kosmos einmal kräftig durch. Aber das Wichtigste für mich bei der ganzen Achterbahn? Dass neben dem Business vor allem unsere Freundschaft überlebt hat. Wir haben uns die Wahrheit zugemutet, und am Ende hat uns das nicht getrennt, sondern unsere Verbindung nur noch tiefer gefestigt. 

Drei Wege, ein Band

Wie ihr seht, haben uns unsere individuellen Wege in diesem Jahr ein Stück getrennt. Auf vielen Ebenen war das alles andere als leicht. Es gab Momente, in denen wir unsicher waren, ob wir als Trio überhaupt weiterfinden. Und es gab Momente, in denen wir genau verstanden haben, warum wir das wollen.

Dass cosmika immer noch hier ist, liegt nicht an einem Plan, der gehalten hat. Es liegt an dem Band, das uns verbindet. Es wurde dieses Jahr immer wieder herausgefordert und am Ende gestärkt.

Zwei Jahre cosmika sind also weder reine Erfolgsstory noch reine Krisendoku. Es ist beides. Und das ist das Ehrlichste, was wir aus 24 Monaten Selbstständigkeit mitnehmen:

Pläne ändern sich. Rollen ändern sich. Was bleibt, ist die Frage, ob man weiter macht, wenn sie sich ändern.

Danke, dass du auf diesem Weg dabei bist.

Luisa, Ingo & Roman

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